Der Sattelgurt ist eines der am meisten unterschätzten Ausrüstungsteile. Reiter investieren Tausende Euro in den Sattel, wählen aber beim Gurt ein billiges 40-Euro-Modell, das am Ellbogen scheuert und Druckstellen verursacht. Dabei liegt unter dem Gurt die dünnste und empfindlichste Haut des Pferdes – die Epidermis im Achselbereich ist 3- bis 4-mal empfindlicher als die Rückenhaut. Ein falscher Gurt verursacht in 2 Trainings Druckstellen, bleibende Gangveränderungen und manchmal Sprungverweigerung.
Anatomische Form: Warum die Krümmung zählt
Ein klassischer gerader Gurt reibt bei Pferdebewegung am inneren Rand des Ellbogens (Olecranon). Beim Sprung, wenn das Pferd die Schulter beugt, drückt der gerade Gurt in diesen Knochen und verursacht eine trockene Abschürfung. Ein anatomischer Gurt hat in diesem Bereich eine Aussparung – erlaubt freie Ellbogenbewegung.
Bekannteste anatomische Modelle:
- Sheepskin Anatomic Girth Kentucky (200 €) – Ledergurt mit Lammwoll-Auflage. Für Pferde mit empfindlicher Haut.
- Anatomic Jumping Girth CWD (285 €) – traditionelles französisches Design mit elastischen Enden und anatomischem Schnitt. Ideal für Monoflap-Sättel.
Material: Leder, Neopren oder Synthetik
Ledergurt – Klassiker, hält bei regelmäßiger Pflege 8–15 Jahre. Erfordert Sattelseifen-Reinigung nach jedem Training und 1× monatlich Conditioner. Vorteil: atmet, bleibt trocken, formt sich zum Pferd. Nachteil: höherer Preis (180–350 €), Pflege.
Neoprengurt – modernes Synthetikmaterial, einfache Reinigung unter fließendem Wasser. Vorteil: niedriger Preis (60–120 €), schnelles Trocknen. Nachteil: atmet weniger, bei langem Training erhöhtes Schwitzen.
Synthetisch elastisch – Baumwoll- oder Polyestergewebe mit elastischen Enden. Niedrigster Preis (30–80 €). Als Reserve oder für Anfänger. Nachteil: kürzere Lebensdauer (2–3 Saisons), dehnt sich bei kräftigem Reiter.
Sheepskin-Auflage: Ja oder Nein
Teurere Gurte haben unten eine Sheepskin-Schicht. Vorteile:
- Verteilt den Druck beim Anziehen
- Schützt empfindliche Haut (besonders bei weißen Pferden mit rosa Haut)
- Thermoregulation – kühlt im Sommer, isoliert im Winter
Nachteile: höherer Preis (um 30–40 %), Handwäsche, Sheepskin-Lebensdauer 2–4 Jahre. Empfohlen für: empfindliche Pferde, Jungpferde, Turnierpferde mit intensivem Training. Nicht nötig für: erwachsene, dickhäutige Pferde, die beim Gurten nicht schwitzen.
Stud Girth: Für Pferde, die „sich selbst treten"
Ein Pferd, das im Sprung das Hinterbein nach vorne zieht, kann sich mit der Hinterhuf-Sohle in den eigenen Bauch treten. Der Stud Girth ist eine Lederplatte unter dem Bauch, die diese Zone vor dem Hufschlag schützt. Empfohlen für Pferde bei Springturnieren über 130 cm.
Verfügbare Modelle:
- Stud Girth Kentucky (195 €) – traditionell aus Leder mit anatomischem Schnitt
- Sheepskin Stud Girth Kentucky (245 €) – mit Sheepskin-Auflage für empfindliche Pferde
Länge: Short, Regular oder Long
Die Gurtlänge hängt vom Sattelyp ab:
- Short Girth (55–70 cm) – für Monoflap-Sättel (CWD, Antares, Devoucoux). Wird direkt unter dem Sitz an Strupfen befestigt.
- Regular Girth (110–140 cm) – für zweiblättrige Springsättel (Stübben, Pessoa, Prestige). Die meisten Reiter.
- Long Girth (150 cm+) – für Dressursättel mit sehr kurzen Strupfen.
So messen Sie die richtige Länge: bei Gurt in Mittelposition angezogen soll rundum 4–5 Löcher Abstand von kürzester und längster Position sein. Müssen Sie das letzte oder erste Loch nutzen, hat der Gurt die falsche Länge.
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Elastische Enden: eins, beide oder keines
Elastische Enden lassen das Pferd beim Einatmen expandieren. Drei Konfigurationen:
- Ohne Elastik – traditioneller Ledergurt. Fest, bleibt in exakter Länge. Für erfahrene Reiter mit gut passendem Sattel. Manche Pferde spüren Druck beim Einatmen.
- Einseitig elastisch – Elastik nur an einem Ende. Kompromiss zwischen Festigkeit und Komfort. Marktstandard.
- Beidseitig elastisch – Elastik an beiden Enden. Maximaler Komfort fürs Pferd, aber Sattel kann sich bei kräftiger Flanke um 1–2 cm bewegen.
Für Springreiter empfehlen wir beidseitig oder einseitig elastisch. Ohne Elastik wird eher bei der Dressur verwendet, wo keine plötzlichen Einatmungen vorkommen.
Pflege: täglich ein paar Minuten
- Nach jedem Training innen mit feuchtem Tuch abwischen (Schweiß enthält Salze, die Leder und Neopren zerstören)
- 1× monatlich: Ledergurt mit Balsam behandeln (NAF Sheer Luxe Leather Balsam, 28 €)
- Neopren 1× wöchentlich unter fließendem Wasser ausspülen
- Sheepskin 1× monatlich per Hand mit Wollshampoo
- Niemals direkt auf die Heizung hängen – Leder trocknet aus und reißt
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